Bürgerenergie gestaltet Energiewende vor Ort

Die Bürgerenergie Geldern hatte NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur zu einem Austausch über die Zukunft der Bürgerenergie am 02. September 2026 nach Geldern an den Standort eines kürzlich in Betrieb genommenen Windrades eingeladen.

Dabei waren viele an der Bürgerenergie Beteiligte und Mitglieder der Ortsverbände von

Bündnis 90/Die Grünen aus Geldern, Sonsbeck, Issum und Kevelaer.

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger vor Ort an der Energiewende beteiligt werden und von ihr profitieren können. 

Anhand der Projekte der Bürgerenergie Geldern wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Akteure an der Entwicklung, Planung und Umsetzung von Windenergieprojekten beteiligt sind. Bürgerenergie verbindet dabei ehrenamtliches Engagement, kommunale Interessen, Fachplanung und wirtschaftliche Verantwortung.

Mona Neubaur machte deutlich, dass die Folgen des Klimawandels längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr sind. Die Hitzewellen dieses Sommers und ihre Auswirkungen zeigen unmittelbar, wie stark sich unser Klima verändert. Gerade solche Erfahrungen machen deutlich, dass Klimaschutz und der Umbau der Energieversorgung hin zu den erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben werden müssen.

Mona Neubaur betonte die besondere Bedeutung der Energiewende, die Menschen vor Ort selber in die Hand nehmen können. Bürgerenergie und insbesondere Windenergie schaffen aus ihrer Sicht nicht nur erneuerbaren Strom, sondern auch Selbstwirksamkeit: die Menschen erleben, dass sie selbst etwas für den Klimaschutz bewegen und gleichzeitig die Wertschöpfung in ihrer Region halten können.

Das Prinzip ist einfach: Windenergie soll nicht nur vor Ort stattfinden, sondern auch vor Ort Wirkung entfalten. Einnahmen aus den Projekten können Kommunen und letztlich den Menschen in der Region zugutekommen. So wird aus der Energiewende ein konkretes regionales Projekt mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen.

Bürgerenergie braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Im Gespräch wurden allerdings auch kritische Punkte zur aktuellen Energiepolitik angesprochen. Aus Sicht der Bürgerenergie Geldern werden Bürgerenergiegesellschaften durch das neue EEG nicht ausreichend gestärkt.
Besonders kritisch wurde die geplante beziehungsweise vorgesehene feste Vergütung ohne ausreichende Berücksichtigung der Inflation gesehen. Für große Energieunternehmen können solche Risiken unter Umständen leichter getragen werden. Für kleinere Bürgerenergiegesellschaften stellen steigende Kosten bei gleichzeitig festgelegten Einnahmen jedoch ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar.
Gerade bei Projekten, deren Planung und Umsetzung sich über mehrere Jahre erstreckt, können Baukosten, Finanzierungskosten und andere Ausgaben durch Inflation deutlich steigen, während die Einnahmeseite nicht entsprechend mitwächst. Für eine Bürgerenergiegesellschaft kann dies schnell zu einem wirtschaftlichen Risiko werden, das ein Projekt im schlimmsten Fall sogar gefährdet.
Die Forderung aus dem Kreis der Bürgerenergie lautet deshalb: Wer Bürgerenergie politisch stärken will, muss auch dafür sorgen, dass kleinere Gesellschaften unter verlässlichen und wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen arbeiten können.

Energiewende gemeinsam gestalten
Der Besuch von Mona Neubaur bot damit nicht nur Gelegenheit, ein konkretes Windenergieprojekt und die Arbeit der Bürgerenergie Geldern vorzustellen. Er zeigte auch, wie breit die Beteiligung vor Ort aufgestellt ist und wie viel Engagement hinter der Entwicklung erneuerbarer Energie steckt.

Wir brauchen Erneuerbare Energie für die Energiewende – auch in Sonsbeck. Der Klimawandel erfordert, auch hier vor Ort möglichst schnell etwas zur Verringerung des CO2-Ausstosses zu tun.

Wir von Bündnis 90/Die Grünen wollen den Ausbau von Windenergieanlagen und weiteren Photovoltaikanlagen hier in Sonsbeck und damit notwendigeVeränderungen herbeiführen. Wir wollen nicht, dass vom Ausbau der Erneuerbaren Energien ausschließlich externe Großinvestoren und deren Geldgeber profitieren.

Wir unterstützen daher die SonErgie, Sonsbecker Energiegenossenschaft eG, die allen Interessierten ermöglicht, selber aktiv an der Gestaltung der Energiewende mitzuwirken. Dadurch sind die Bürgerinnen und Bürger vor Ort nicht nur Betroffene des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Gerade angesichts der spürbaren Folgen des Klimawandels ist diese Selbstwirksamkeit der Menschen ein wichtiger Baustein für die Akzeptanz und den Erfolg der Energiewende.

10.09.2026

Ursula Jansen-Hammel